Jerusalem – Die Stadt zwischen Glauben und Geschichte

Meine Reise durch Israel liegt nun schon ein paar Tage zurück und Steffen Böttcher hat nicht zu viel versprochen als er sagte, „Man geht mit vielen Fragen nach Israel und kommt mit noch mehr Fragen zurück“. Bereits unser erster Stop in Jerusalem hat so viele Eindrücke hinterlassen, dass es mir noch immer schwer fällt all die Gedanken die mir durch den Kopf huschen in Worte zu fassen.

Durch große Tore betritt man die alte Stadt. Man taucht ein in eine Welt aus Glauben und Geschichte. Mir begegnen Juden, Muslime, Christen, Einheimische, Touristen, Soldaten und Zivilisten. Die Menschen scheinen hier den Mittelpunkt gefunden zu haben, zu dem es sie zieht und der sie nicht mehr loszulassen scheint. Ich folge den von Cafés, Markständen und Läden gesäumten Gassen, die sich wie Adern zum pumpenden Herzen dieser Stadt schlängeln. Als ich aus einer schummrigen Gasse trete eröffnet sich mir der Blick auf das pulsierende Herz dieser Stadt, die Klagemauer mit dem darüber liegenden Tempelberg. Oben auf dem Tempelberg, steht der Felsendom mit seiner goldenen Kuppel und der al-Aqsa Moschee.

Jerusalem ist geprägt und gezeichnet von seiner Geschichte. In den vergangenen 3000 Jahren wurde die Stadt oft erobert, zerstört, zurückerobert und wieder aufgebaut. Teile der Stadt liegen heute viele Meter über dem ursprünglichen Boden, da man einfach auf den Ruinen wieder zu bauen begann. Vielleicht wirkt die Klagemauer – von den Juden Western Wall genannt – mit dem großen Platz davor, auch deshalb fast wie eine Ausgrabungsstätte die dem Tempelberg zu Fuße liegt.

Je näher ich der Western Wall komme, desto beeindruckender wirkt sie. Ich bin umgeben von Menschen, tief im Gebet versunken, dazwischen immer wieder staunende Touristen. Zu meiner linken trete ich durch „Wilson’s Arch“ in den verborgen liegenden Teil der Western Wall. Dieser Bereich wurde erst 1968 wieder entdeckt und 2005 einer Renovierung unterzogen. Heute befindet sich hier ein Gebetsraum, ein Thoraschrein und eine Bibliothek.

Hier ist es stiller. Die mich umgebenden Mauern und die säuselnden Stimmen der betenden Männer hüllen mich geradezu ein. Als ich wieder nach außen trete, blendet mich die gleißende Sonne. Ich gehe langsam zurück in Richtung der engen Gassen. Respektvoll achte ich dabei darauf, der Western Wall nicht meinen Rücken zuzudrehen.

Außerhalb der alten Stadtmauern liegt im Osten der Ölberg. Auch dieser Hügel zählt zu den bedeutenden Orten im Juden- und Christentum sowie im Islam. Auf der dem Tempelberg zugewandten Seite ist er fast vollflächig mit jüdischen Gräbern bedeckt. Auf der Anhöhe befinden sich Kirchen verschiedener Denominationen. Von hier oben blicke ich auf die andere Seite des Tempelbergs und der im Sonnenlicht funkelnden Kuppel des Felsendoms.

Durch das Lions Gate gehe ich zurück in die Stadt. Das Freitagsgebet der Moslems ist zu Ende und mir kommt ein nicht enden wollender Strom Menschen entgegen. Es hat keinen Sinn mich hier durchzukämpfen, also gehe ich zur Seite auf eine Mauer um mir das Geschehen von oben anzuschauen. Hier haben sich auch zwei Israelische Soldaten postiert und beobachten die Menschenmenge zu ihren Füßen.

Als der Strom der Menschen langsam versiegt, bahne ich mir meinen Weg durch die Gassen zur Grabeskirche im christlichen Viertel der alten Stadt. In ihrer Nähe soll Jesus gekreuzigt worden sein, ebenso soll sich hier das Grab Jesu befunden haben. Die Grabeskirche zählt zu den größten Heiligtümern des Christentums und ist für viele Christen der heiligste Ort der Welt, denn sie soll auf dem Hinrichtungshügel Golgatha stehen, dem Ende des Leidensweges Jesu. In der Kirche selbst befindet sich die Grabeskapelle mit dem Grab Jesu unter einer großen Kuppel. Am Eingang der Grabeskirche selbst liegt der Salbungsstein, auf dem der Leichnam Jesu für die Bestattung vorbereitet worden sei. Gläubige bringen Tücher mit, mit denen sie den Salbungsstein abwischen.

Die Sonne senkt sich langsam und läutet damit den Schabbat ein. Auf den Straßen begegnen mir nun jüdische Familien, gehüllt ihr ihre feinsten Kleider, die auf dem Weg zur Western Wall sind. Ich folge ihnen dorthin und staune über die Zahl der Gläubigen und Touristen die sich nun dort einfinden. Direkt nach Sonnenuntergang beginnen die Gesänge und es wird getanzt. Selbst wir Fremde werden eingeladen den Beginn des Schabbat mitzufeiern. Für einen kurzen Moment vergisst man wie angespannt die Atmosphäre in Israel sonst sein kann.

(Im Photologen Pocast gibt es auch schon die erste Episode zu meiner Israel Reise)