Fujifilm X-E5: die beste Fuji‑Zweitkamera – aber nur, wenn du eine Sache akzeptierst
Die Fujifilm X-E5 ist seit über sechs Monaten auf dem Markt und genau deshalb wollte ich dieses Review nicht zum Launch machen. Keine ersten Eindrücke, kein Hype – sondern die Frage, die mich wirklich interessiert:
Was bleibt von dieser Kamera, wenn der Neuheitsreiz weg und der Hype vorbei ist?
Nach sechs Monaten kann ich das ziemlich klar beantworten. Die X-E5 ist für mich eine der besten Zweitkameras, die Fujifilm aktuell baut – aber nur, wenn man sie nicht wie eine kleine X-T5 behandelt.
Das komplette Langzeit-Review als Video findest du hier:
Für wen die X-E5 wirklich gemacht ist – und für wen nicht
Bevor wir über Details sprechen, muss man eine Sache klären:
Was für eine Kamera will die X-E5 eigentlich sein?
Für mich ist sie keine Arbeitskamera. Sie ist nicht dafür gedacht, schwere Zooms zu tragen, Jobs abzusichern oder jede Situation abzudecken. Sie ist die Kamera, die man wirklich einpackt, wenn man aus dem Haus geht – und genau deshalb auch benutzt.
Die X-E5 passt gut zu dir, wenn:
du eine kleine, leichte Fuji suchst, die man gern mitnimmt
du Street, Reise, Alltag oder Familie fotografierst
du Spaß an JPEG-Workflows und Filmsimulationen hast
du bewusst akzeptierst, dass nicht alles „Pro“ ist
Sie passt eher nicht zu dir, wenn:
du damit regelmäßig bezahlte Jobs fotografierst
du damit große, schwere Objektive nutzen willst
du Weather Sealing und Dual Slot brauchst
du eine „kleine Alleskönner‑Kamera“ suchst
Im Video zeige ich das sehr konkret – inklusive dem Punkt, ab wann große Objektive an der X-E5 einfach keinen Sinn mehr ergeben.
Verarbeitung & Gefühl: Warum das hier mehr zählt als Specs
Ein großer Teil meiner positiven Erfahrung mit der X-E5 hat nichts mit Datenblättern zu tun, sondern mit dem Gefühl das die Kamera bei mir erzeugt. Die Kamera liegt gut in der Hand, wirkt wertig und deutlich erwachsener als eine X-E4. Die gefräste Aluminium‑Top‑Plate kennt man inzwischen von anderen aktuellen Fujis – und ja, das fühlt man. Ein mehr als gelungener Nachfolger für die X-E4. Im Lineup würde ich sie als weiter oben einordnen, was sich natürlich auch im Preis niederschlägt.
Was ihr fehlt, ist Weather Sealing. Viele Reviews sehen das als K.O.-Kriterium. Ich sehe es anders. Aus Produkt- und Lineup‑Sicht ist das eine bewusste Abgrenzung zur Fujifilm X‑T5. Würde man hier alles reinpacken, wäre die X‑E5 technisch und preislich zu nah an der T‑Serie.
Das heißt nicht, dass Kritik tabu ist. Ganz im Gegenteil.
Ein Punkt, den man nicht schönreden darf
In den letzten Monaten gab es Berichte über Probleme mit den Gurtösen einzelner X‑E5‑Modelle. Im schlimmsten Fall können sich die Schrauben lösen, was zu Schäden oder Fehlfunktionen führen kann. Das ist wirklich ein großes Problem.
Fujifilm hat das Thema inzwischen öffentlich adressiert und bietet Prüfung und Reparatur an. Den Link zur offiziellen Stellungnahme habe ich dir hier verlinkt.
Das Fujifilm das so offen adressiert und sich kümmert ist wichtig – und es ist auch das absolute Minimum, das man hier erwarten darf. Für mich ist das kein Drama, aber ein Punkt, den man kennen sollte, bevor man sich für diese Kamera entscheidet.
Der eigentliche Grund, warum die X-E5 spannend ist: Workflow
Der für mich spannendste Punkt an der X‑E5 ist nicht der Selfie‑Screen, nicht der EVF und auch nicht die reine Bildqualität. Es ist die neue Trennung von Custom Settings und Filmsimulations‑Rezepten.
Kurz gesagt:
Custom Settings steuern, wie die Kamera arbeitet
FS1–FS3 steuern, wie das Bild aussieht
Bisher war das bei Fujifilm stark miteinander vermischt. Mit der X‑E5 wird das erstmals sauberer getrennt. Das macht die Kamera nicht automatisch einfacher – aber für bestimmte Workflows deutlich logischer. Gerade wenn man viel mit JPEG‑Rezepten arbeitet, ist das ein echter Gewinn.
Im Video erkläre ich das Schritt für Schritt, inklusive Menü‑Ansichten und Praxisbeispielen. Das lässt sich im Text nur schwer sinnvoll abbilden – deshalb hier bewusst nur der Teaser.
Sucher, Display & Alltagstauglichkeit
Ja, der EVF der X‑E5 ist auf dem Papier schwächer als bei einer X‑T5 oder X100VI. Und ja, das Display hat keine Spitzenauflösung. Im direkten Vergleich sieht man das. Im Alltag fällt es mir ehrlich gesagt kaum auf.
Was mir viel wichtiger ist: Fujifilm hat bei der X‑E5 ein echtes Alltagsproblem der X‑E4 gelöst. Der Augensensor schaltet nicht mehr ungewollt um, wenn man aus der Hüfte fotografiert oder den Screen hochklappt.
Das klingt banal – ist aber genau die Art Detail, die entscheidet, ob man eine Kamera gern benutzt oder nicht.
Fazit: Was bleibt nach dem Hype?
Nach sechs Monaten ist die X‑E5 für mich klar positioniert:
Eine richtig gute Zweitkamera, wenn man akzeptiert, dass sie keine kleine X‑T5 sein will.
Ich greife am Wochenende eher zur X‑E5 oder zur Fujifilm X100VI als zur T‑Serie – nicht wegen Specs, sondern weil sie sich leichter, freier und weniger nach Arbeit anfühlt. Und genau das ist ihre Stärke.
Ich werde meine X‑E5 nicht behalten, nicht weil sie schlecht ist, sondern weil die X100VI in meinem Setup genau diese Rolle schon erfüllt. Hätte ich sie nicht, wäre die X‑E5 ganz oben auf meiner Liste.
Wenn du wissen willst, ob die X‑E5 in deinem Setup Sinn ergibt, schau dir das Video an.
Dort zeige ich konkrete Kombinationen, Menü‑Details und Dinge, die man im Text kaum sinnvoll erklären kann.